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Passiv-aggressive Milchziegen, oder eine Grundfrage der Psychologie

Ich bin Psychologin mit Leib und Seele! Und ich liebe spannende wissenschaftliche Artikel. Neben Artikeln wie "Die passiv-aggressive Persönlichkeitsstörung bei Milchziegen in Südspanien" gibt es auch viele sinnvolle Studien. ... Genau genommen war das auch kein psychologischer Artikel, weil er sich nicht mit Menschen beschäftigt, aber trotzdem ist das ein Thema, das mich nachts nicht loslässt...

Eine der wirklich grundlegendsten Fragen der Psychologie ist jedoch die Frage nach "Nature - Nurture".  Also die Frage danach, wie viel z.B. einer Persönlichkeitseigenschaft genetisch festgelegt ist und wie viel durch Erfahrungen geformt wird, die wir während unserer Lebenszeit (nicht nur frühen Kindheit) machen.

Wie immer ist die richtige Antwort: Kommt darauf an. Zum Beispiel darauf, ob man über das Risiko redet einmal zwischen sich selbst und sich selbst zu vermitteln, weil "die sich immer streiten", oder darum, ob man ein zufriedenes Leben führen wird. Und was sagt uns das genau, wenn 40% (oder 50% oder 60 % - aber es sind tatsächlich 40%) unseres Lebensglücks von unseren Genen abhängen? Interessanter ist ja herauszufinden, wie wir die restlichen 60% positiv beeinflussen können. (Dazu bald mehr.)

Zum Thema "werde ich einmal wie meine Mutter"? (Antwort von einem Freund: SOWAS VON EINDEUTIG JA!, ich denke das meinte er sowohl auf sich als auch auf mich bezogen). Ich fand folgende Erkenntnis sehr aufschlussreich: Wir werden unseren Müttern immer ähnlicher - ob wir wollen oder nicht - aus folgendem Grund: Unsere Gene legen gewissen Veranlagungen fest. Sagen wir zum Beispiel, dass wir nicht leicht zu beeindrucken sind, aber das Gefühl sehr genießen beeindruckt zu sein. Deshalb werden wir als Kind davon angezogen mit dem Regenschirm aus dem Fenster zu springen. Weil Puzzlespielen zu langweilig ist und mit dem Regenschirm aus dem Fenster springen sehr spannend ist. Die Erfahrung, dass es ein leichtes ist ohne sich die Knochen zu brechen aus dem dritten Stock zu springen und es auch noch einen tollen Adrenalin-kick gegeben hat, werden wir immer mutiger. Wir suchen uns Freunde, die auch gerne von Dingen herunterspringen, die uns anstacheln von immer höheren Dingen herunterzuspringen: Hochhäusern, Flugzeugen, Bergen. - Wir suchen uns also eine Umgebung aus, die unseren Neigungen entspricht und diese Umgebung beeinflusst uns wiederum. - Außerdem bewegen wir uns so elegant-leicht und biegsam, da wir das Gefühl von Windschnittigkeit genießen, dass unsere Großeltern denken: "Wow, so ein luftiges Kind. Dem schenken wir eine Pilotenausbildung zum Geburtstag." Durch unser Verhalten lösen wir entsprechendes Verhalten in unserer Umgebung aus. ... Und eines führt zum anderen und am Ende Bungee-Jumpen, Gleitschirmfliegen und Flying-Foxen wir durchs Leben, genau wie unsere Mutter.

Das macht soweit für mich sehr viel Sinn. Und zu wissen, dass wir uns selbst unsere Umwelt aussuchen und diese uns beeinflusst und wir durch unser Verhalten Reaktionen auslösen, regt mich immer wieder zum Nachdenken an. Laut Wissenschaft sind wir in vielen Dingen der Durchschnitt unserer 3 oder 5 (das weiß ich leider gerade nicht mehr) engsten Freunde. Wir wiegen so viel wie der Durchschnitt von ihnen und verdienen so viel wie der Durchschnitt von Ihnen. Deshalb ist es es Wert zu Hinterfragen, wen man gerne um sich haben möchte, weil das automatisch damit zusammenhängt, wer man sein möchte. Wenn ich eine(n) Kommiliton(in) (Spaß, im Psychostudium gibt's keine Männer :D, vielleicht so 1% wenn's hochkommt , oder ein(e) Kolleg(in) lästert, dann denke ich mir immer, was er/sie wohl über mich sagt, sobald ich den Raum verlassen habe. Unser Verhalten löst Reaktionen aus, die auf uns zurückfallen. Deshalb finde ich, ist es auch Wert sich selbst und das eigene Verhalten und dadurch die eigene Wirkung auf andere immer wieder zu hinterfragen, soweit es möglich ist sich ein bisschen von außen zu betrachten. Und das ist schwierig.

Eine Frage, die sich mir noch nicht beantwortet hat ist, woher wir zu wissen scheinen, was uns anzieht. Warum fühle ich mich von Neuseeland und Island angezogen, habe aber kein Interesse an Simbabwe und China, obwohl ich an keinem dieser Orte je war (hypothetisch). Findet man Neuseeland und Island nur unglaublich toll, wenn man dann da ist, weil man sich schon vorher damit verbunden gefühlt hat und entsprechende Erwartungen / selbsterfüllende Prophezeiungen hatte? Und ob man Simbabwe und China tatsächlich nicht so genießt wie Neuseeland, erfährt man ja nie, wenn man nie hinfährt. Wo ist die Grenze zwischen neugierig bleiben, sich kennen lernen und neue Seiten an sich entdecken und der Abgrenzung von "das bin ich", "das bin ich nicht". Ist es ok wenn man nach einem einzigen Saunabesuch sagt "Nein danke, nie wieder.", oder hätte ich nicht sofort das Handtuch werfen sollen? Ich finde es zum Beispiel faszinierend, wie viel Energie und Freude Menschen bei Fußballspielen haben. Aber ich fühle eine kleine innere Panik aufsteigen, wenn ich nur daran denke in einer erdrückend vollen U-Bahn mit ganz vielen Fußballfans zu sitzen. Und trotzdem frage ich mich immer, ob ich es nicht einmal ausprobieren sollte.

Was meint ihr? Was sind Dinge, die ihr niemals machen möchtet, obwohl sie anderen Spaß machen? Was sind Dinge, die euch vom ersten Moment an anziehen, obwohl ihr sie noch gar nicht kennt? Ich bin wirklich gespannt auf eure Meinung!

 

15.2.16 21:10

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